Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in Nürnberg
Historischer Überblick
Um 1500
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts zeichnen sich Entwicklungen ab, die den Boden für eine grundlegende Veränderung der religiösen Situation bereiten: Für die Reformation und damit den Beginn der evangelischen Kirche.
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| Kloster um 1500 Quelle: Landeskirchliches Archiv Bayern |
Nürnberg war eine der ersten größeren Städte, die sich zur Einführung der Reformation entschlossen und fungierte deshalb als Vorbild für viele andere Orte, die diesen Schritt erwogen. Vor allem aber wurden während der Reformation Weichen gestellt, die bis heute das Leben der evangelischen Kirche in der Stadt beeinflussen. Deshalb werden die Entwicklungen, die sich in der fränkischen Reichsstadt bis zur Entstehung einer evangelischen Konfession vollzogen, an dieser Stelle ausführlich geschildert.
Nürnbergs politisches Leitungsorgan war der sogenannte Rat, der sich aus Mitgliedern der führenden Familien der Stadt zusammensetzte. Ihm war es im Laufe des späten Mittelalters gelungen, immer größere Kontrolle über kirchliche Belange an sich zu ziehen: Er führte die Aufsicht über kirchliches Vermögen, beaufsichtigte manche der Klöster und übernahm die Verantwortung für die Besetzung der Predigerstellen in der Stadt.
Ab 1504 hielt sich mehrmals Johannes von Staupitz als Gastprediger in Nürnberg auf. Er war der Vorgesetzte Martin Luthers im Orden der Augustinereremiten und gut mit Luther befreundet. In seinen Predigten hebt er stark hervor, daß es bei der Frage, ob ein Mensch selig wird oder nicht, mehr auf Gottes Barmherzigkeit als auf fromme gute Werke des Menschen ankomme. Damit beeindruckt er Angehörige der städtischen Oberschichten, des Patriziats und der sogenannten Ehrbarkeit, so sehr, daß sie einen Lese- und Diskussionskreis gründen, der die theologischen Überlegungen Staupitzens studiert.
Angehörige des Staupitz-Kreises, aber auch andere Gebildete wurden darüber hinaus durch den Humanismus beeinflußt, eine an der Antike ausgerichtete Bildungsbewegung. Für sie spielt das Nachdenken über den Menschen als Individuum und die Hinwendung zu den Quellen von Ideen, Vorstellungen und Theorien ("ad fontes!") eine wichtige Rolle.
