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Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in Nürnberg

Historischer Überblick

1517-1525

1517 beginnen die ersten Nürnberger, sich mit Martin Luthers Theologie zu beschäftigen, als dessen berühmte "95 Thesen gegen den Ablaß" in gedruckter Form erscheinen. Darin betont Luther, daß kein Mensch die Strafe, die er für seine Sünden verdient hat, durch Zahlungen (Ablässe) abtilgen kann, sondern daß das Leben der Christin und des Christen eine beständige Buße und ein beständiges Vertrauen auf Gottes Gnade sein muß. Die in lateinischer Sprache verfaßten Thesen werden in Nürnberg nicht nur gelesen, sondern 1518 auf Betreiben des Patriziers Kaspar Nützel übersetzt und durch eine örtliche Druckerei in deutscher Sprache veröffentlicht. Damit war Nürnberg der Ort, an dem man den Text, der die Reformation ins Rollen brachte, breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich machte.

1517 beginnt Wenzeslaus Linck, ein Konventsbruder Luthers aus Wittenberg, seine Tätigkeit im hiesigen Augustinerkloster. Unter seiner Leitung entwickelt sich der Staupitz-Diskussionskreis weiter. Er wird zu einer Gruppe, die sich nun hauptsächlich mit Luthers Gedanken auseinandersetzt und sich sogar dem zukünftigen Reformator zu Ehren "Sodalitas Martiniana" nennt. Ihre Mitglieder gehören zu den tatkräftigen Wegbereitern der kirchlichen Erneuerung innerhalb der Stadt.

1519 ist es erneut ein Nürnberger, der für einen gedruckten Meilenstein auf dem Weg zur Reformation sorgt: Der Ratsschreiber Lazarus Spengler veröffentlicht (wenn auch anonym) die erste deutschsprachige Schrift, in der Luthers Theologie öffentlich verteidigt wird. Lazarus Spengler ist damit einer der ersten Laien in Deutschland, die Position für Luther beziehen. Der bekannteste Nürnberger Autor, der in vielen populären Texten Partei für die Reformation ergreift, ist jedoch Hans Sachs. Seine 1523 erschienene "Wittenbergisch Nachtigall" faßt in populärer Form zentrale Aussagen der reformatorischen Lehre zusammen und erläutert sie.

1522 werden die drei wichtigen Predigerstellen an St. Sebald, St. Lorenz und am Heilig-Geist-Spital frei. Der Rat macht von seinem Stellenbesetzungsrecht Gebrauch und verpflichtet für alle drei Stellen junge Theologen, die Luthers Ideen nahestehen. Dies bedeutet, daß in Nürnberg ab 1522 nicht nur diejenigen, die selbst lesen und die sich den Kauf von gedruckten Schriften leisten können, die Chance haben, die reformatorische Lehre kennenzulernen, sondern alle Gottesdienstbesucherinnen und - besucher.

In einem nächsten Schritt beginnen mehrere Pfarrer ab 1523, Konsequenzen aus der reformatorischen Theologie zu ziehen und das kirchliche Leben in Nürnberg zu verändern: Sie verlesen z.B. im Gottesdienst deutschsprachige Bibeltexte und weisen so darauf hin, daß die in den Augen der Reformatoren einzig gültige Offenbarungsquelle allen Gläubigen verfügbar sein muß. Auch geben sie das Abendmahl in Brot und Wein an die Gemeinde weiter (bisher hatte die Gemeinde nur das Brot erhalten, während der Wein dem Priester vorbehalten blieb) und formulieren die Abendmahlsliturgie so um, daß die Feier nicht mehr als ein durch Menschen dargebrachtes Opfer verstanden werden kann.

Zumindest ein Prediger in der Stadt nimmt außerdem eine radikale Veränderung in seinem persönlichen Leben vor, denn der an St. Sebald angestellte Dominikus Schleupner beendet seine Existenz als zölibatärer Priester und heiratet die Handwerkertochter Dorothea Schmidtmerin. Die beiden bilden den Nürnberger Grundstock dessen, was als evangelisches Pfarrhaus bis in unsere Zeit hinein wirkt.

Unterstützt werden die im reformatorischen Sinne erfolgenden Neuerungen durch Nürnberger Druckerzeugnisse: Nur wenige Monate, nachdem Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzt hatte, erscheint dieses in einer Ausgabe des Druckers Hans Hergot. Um die Gemeinde stärker am Gottesdienst zu beteiligen und bei der Einprägung der Grundlinien reformatorischer Theologie zu unterstützen, veröffentlicht ein anderer Nürnberger Drucker, Jobst Gutknecht, das erste reformatorische Gesangbuch. Publikationen wie diese resultierten aus der reformatorischen Konzeption vom "Priestertum aller Gläubigen", also aus der Einsicht, daß jeder Christ - Frauen hatte man hier kaum im Blick - unmittelbaren Zugang zu Gott besitzt und keiner Vermittlung durch einen geweihten Priester bedarf.

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