Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in Nürnberg
Historischer Überblick
19. Jahrhundert
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Christian Gottlieb Junge |
Unter Junges Leitung hat sich die protestantische Kirche in Nürnberg der tiefgreifendsten Veränderung in ihrer bis dahin knapp 300jährigen Geschichte zu stellen: Als die fränkische Reichsstadt im Jahre 1806 ihre Eigenstaatlichkeit verliert und an das Königreich Bayern übergeht, endet das Regiment des Rates über die Kirche und Nürnberg wird Teil der protestantischen Gesamtkirchengemeinde in Bayern.
Da mit diesem Schritt der Konfessionalismus endet, ist es zum ersten Mal seit 1525 wieder möglich, auch als Katholikin oder Katholik das Bürgerrecht zu erhalten, was bedeutet, daß Nürnberg nun offiziell eine gemischtkonfessionelle Stadt wird. Sichtbarstes Zeugnis für diese Veränderung ist der Erwerb der Frauenkirche durch die katholische Gemeinde.
1810 erhalten die neuen kirchlichen Verhältnisse strukturelle Gestalt, indem das Stadtdekanat mit insgesamt 10 Gemeinden gegründet wird. Zum ersten Stadtdekan wird 1810 der ehemalige Altdorfer Theologieprofessor Christian Gottlieb Junge ernannt.
Kirchliches Leben und Frömmigkeit werden im 19. Jahrhundert entscheidend durch Vereine und Verbände geprägt, die zunächst vor allem aus der Erweckungsbewegung, einer kirchlichen Reaktion auf die als Verweltlichung empfundene Aufklärung, erwuchsen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verbanden sich damit auch bürgerliche Wohlfahrtsinteressen und das Bemühen, den immensen aus der Industrialisierung resultierenden Problemen zu begegnen. Vor allem der zunehmenden Entfremdung zwischen der Kirche und den in der Industrie Beschäftigten sollte entgegengesteuert werden, indem man Arbeiterinnen und Arbeiter in die Vereine einband.
Gespeist aus dem Wunsch, den eigenen Glauben in Taten umzusetzen, wurden Vereine gegründet, die teils nur einzelne Gemeindebezirke, teils das gesamte Stadtgebiet umfaßten, und die unterschiedliche Aspekte des christlichen Lebens fördern sollten: Geselligkeit und solide protestantische Lebensführung im allgemeinen ebenso wie den Bau von Kirchen und den gemeinsamen religiösen Gesang. Ein Schwerpunkt lag sicherlich auf den Fürsorge- und Krankenpflegevereinen, von denen manche mit den in Nürnberg niedergelassenen Diakonissengemeinschaften zusammenarbeiteten. Die bekannteste noch heute wirkkräftige Vereinigung dürfte der 1885 ins Leben gerufene "Lokalverein für Innere Mission" sein, aus dem sich die Stadtmission entwickelte.
