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Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in Nürnberg

Historischer Überblick

Zeit nach 1945

 Osterkirche Worzeldorf Foto: Dekanat
 Osterkirche Worzeldorf Foto: Dekanat

Die ersten Nachkriegsjahre sind auch im Bereich der Kirche vom Bemühen um Wiederaufbau gekennzeichnet, wobei es nicht nur um die Wiedererrichtung der zerstörten Kirchen geht. Um die durch Kriegseinwirkungen und massiven Bevölkerungszustrom explodierende Wohnungsnot zu bekämpfen, wird in Nürnberg 1949 das kircheneigene "Evangelisches Siedlungswerk in Bayern" gegründet. Heute liegen die Schwerpunkte der Siedlungsgemeinschaft auf Bauprogrammen für Betreutes Wohnen und Alleinerziehende.

Bereits seit den 50er Jahren beginnen sich kirchliches Leben und Engagement in Nürnberg aufzufächern. Diese Entwicklung setzt sich über Jahrzehnte hin fort, so daß sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts das Bild einer modernen, differenzierten Großstadtkirche bietet.

Die evangelisch-lutherische Kirche in Nürnberg umfaßt derzeit 5 Prodekanate mit insgesamt 48 Gemeinden, übergemeindlichen Einrichtungen und Werken. Sie ist im sozial-caritativen Bereich (z. B. Stadtmission, Diakonie, Hospizstation, Flüchtlings- und Friedensarbeit) ebenso präsent wie im Bildungssektor (siehe oben). All das wäre nicht möglich ohne das Engagement vieler hundert ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Einen kulturellen Höhepunkt im kirchlichen Leben der Stadt bildet die alljährlich stattfindende "Internationale Orgelwoche", die in einer bereits in der Reformationszeit wurzelnden Tradition evangelischer Kirchenmusik steht. Versuchten die bekannten Nürnberger Komponisten und Textdichter des 16. und 17. Jahrhunderts (Sebald Heyden, Hans Sachs, Leonhard Lechner, Hans Leo Haßler. Johann Pachelbel, Sigmund von Birken, Georg Philipp Harsdörfer und andere), die protestantische Lehre zu untermauern und zu verbreiten, so zielt die 1951 ins Leben gerufene Orgelwoche gewissermaßen darauf ab, die Gegenbewegung dazu in Gang zu bringen: Kirchenmusik und die reiche kirchenmusikalische Tradition aus aller Welt sollen nach Nürnberg geholt und hier zum Klingen gebracht werden.

Das Interesse, andere Konfessionen, Religionen, Kulturen und Lebensformen zuzulassen, kennenzulernen und den Dialog mit ihnen zu vertiefen, kennzeichnet während der vergangenen Jahrzehnte auch die Nürnberger Kirchen. Wichtige Impulse gingen hier vom "18. Deutschen Evangelischen Kirchentag" aus, der 1979 in Nürnberg stattfand und deutlich vor Augen führte, daß eine protestantische Kirche nicht im Sinne einer Amtskirche verstanden werden darf, sondern aus dem Priestertum aller Gläubigen gespeist wird.

"Ökumene" bezeichnet jetzt nicht mehr nur den Versuch, die Kluft, die seit dem 16. Jahrhundert katholische und evangelische Kirche trennt, zu überwinden, sondern schließt auch das Gespräch und das bewußte Zusammenleben mit Orthodoxen Kirchen, der Israelitischen Kultusgemeinde, Muslimas und Moslems ein. Damit bringt die evangelische Kirche Nürnbergs ihren eigenen, durch ein protestantisches Profil konturierten Standpunkt in eine moderne, multikulturelle Stadtgesellschaft ein.

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© Petra Seegets

Literaturempfehlungen:
Bennewitz, Nadja: "Meinten Sie vielleicht, wir sollten einen Mann nehmen? Davor behüt uns Gott!". Frauen in der Nürnberger Reformationszeit, hg. v. forum erwachsenenbildung - evangelische stadtakademie nürnberg, Nürnberg 1999.
Im Anfang war das Wort. Nürnberg und der Protestantismus. Ausstellung im Stadtmuseum Fembohaus aus Anlaß des 450. Todestages von Martin Luther, Nürnberg 1996.
Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Nürnberg 1879 ff.
Nürnberg. Geschichte einer europäischen Stadt, hg. v. Gerhard Pfeiffer, München 1971.
Nürnberger Kirchen. Facetten special, hg. v. Evangelisch-lutherischen Dekanat Nürnberg und der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, Nürnberg 1999.
Reformation in Nürnberg - Umbruch und Bewahrung. Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Nürnberg 1979.
Stadtlexikon Nürnberg, hg. v. Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, Nürnberg 1999.