Bildungsangebot für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer trifft voll ins Schwarze

So ungefähr sieht der Sechser mit Zusatzzahl in der evangelischen Bildungsarbeit aus: Man fängt aus dem Nichts ein ganz neues Thema an, wird von Interessenten regelrecht überrannt, wiederholt das Angebot wieder und wieder, und macht schließlich einen eigenen Arbeitsbereich draus. Und bekommt obendrein noch einen Preis.

So ging es dem „forum erwachsenenbildung“ (feb) im Evangelischen Bildungswerk Nürnberg. „Bis zum Sommer 2014 hatten wir mit dem Thema Flüchtlinge überhaupt nichts zu tun“, berichtet Geschäftsführer Hagen Fried. Das feb organisierte Mutter-Kind-Gruppen, machte Biografiearbeit und lud zu theologischen Seminaren ein. Dann kam eine Anfrage aus dem Diakonischen Werk: Dessen Migrationsreferent Helmut Stoll vermutete Bedarf für die Fortbildung von Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollten und suchte Bildungswerke, die sich auf dieses Neuland einlassen wollten.

Das feb machte mit, entwickelte im Schnelldurchgang und im inhaltlichen Doppelpass mit den Fachleuten der Nürnberger Stadtmission ein Fortbildungspaket mit drei Info-Abenden, das im Herbst 2014 in Mittelfranken und der Oberpfalz beworben wurde. Nun muss man wissen, dass Seminarangebote in der Erwachsenenbildung meist nicht an Überbelegung leiden, im Gegenteil sogar oft bis zuletzt am seidenen Faden hängen oder wieder abgeblasen werden müssen.

Dass die Nürnberger binnen kürzester Zeit 80 Anmeldungen auf dem Tisch liegen hatten, kann man daher getrost in die Rubrik „sensationell“ einordnen. „Wir sind regelrecht überrannt worden“, erinnert sich Fried. Das Thema Flüchtlinge, das erst in diesem Sommer die ganz große Öffentlichkeit erreicht, lag schon damals in der Luft. Das Bildungswerk bot den Kurs zweimal parallel an und ein weiteres Mal im Frühjahr.

Im November beginnt Kurs Nummer vier, flankiert von weiteren Angeboten wie Führungen durch die Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf oder einem Info-Abend „Trauma und Flucht“. Inhaltlich ist der Nürnberger Beratungskurs breit aufgestellt. Einen Abend lang geht es um “ das Eigene“ und „das Fremde“: Wo sind Klippen, wenn Kulturen aufeinandertreffen? Wie kann man Fettnäpfchen vermeiden? Im zweiten Schritt bekommen die Flüchtlingshelfer juristische Aufklärung über Grundsatzfragen des Asylrechtes. Im dritten Teil informieren Aktive aus der Region über gelungene Ideen der Flüchtlingshilfe – vom Kochkurs bis zum Flüchtlingscafé.

Wichtig ist den feb-Verantwortlichen, dass die Ehrenamtlichen auf die Realität vorbereitet und nicht etwa in falscher Euphorie bestärkt werden. Fried, der selbst in einer Flüchtlingsinitiative mitmacht, weiß: „Das ist nicht immer schön, sondern oft auch frustrierend“ – etwa wenn eine Familie, zu der man einen besonders guten persönlichen Kontakt entwickelt hat, plötzlich abgeschoben wird. Als neues Beratungselement hat das feb daher nun auch eine Hilfe für die Helfer im Angebot.

Thomas Greif (epd)

 

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