Am 3. September ist Landesbischof i. R. Dr. Johannes Friedrich nach schwerer Krankheit verstorben.
In manchem persönlichen Gespräch mit mir, hat er betont, dass der Dienst als Stadtdekan in Nürnberg seine schönste Stelle gewesen sei, weil er dort so viel gestalten konnte. Wenn wir dann seine Zeit und die jetzige Zeit verglichen haben, ergänzte er: "Das wäre heute alles gar nicht mehr möglich, die Projekte, der gemeinsame Kirchentag, der eckstein." Aber der Reihe nach:
Nach seinem Studium in Erlangen, einer Assistentenzeit in Tübingen und der Promotion im Fach Neues Testament begann er seinen Dienst als Pfarrvikar in St. Leonhard. Dort gründete er den Jugend- und Gemeindeverein, der das Anwesen in der Kreuzerstraße erwarb – heute das evangelische Stadtteilhaus leo. Besonders am Herzen lag ihm die Konfirmandenarbeit.
Weitere Stationen waren die Egidienkirche mit dem Studierendenpfarramt in Nürnberg sowie von 1985 bis 1991 die deutschsprachige Gemeinde in Jerusalem. Diese Zeit prägte sein lebenslanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog.
Als Stadtdekan (1991–1999) setzte er entscheidende Impulse: die Gründung des eckstein, die Erklärung der Landeskirche zu "Christen und Juden", die ökumenischen Nürnberg-Fürther Festtage, das Dekanatsentwicklungsprogramm E.i.N., aus dem u. a. die Offene Tür St. Jakob und die LUX-Kirche hervorgingen, sowie die Einrichtung des Bibel-Erlebnis-Hauses. Auch die Strukturreform des Dekanatsbezirks und wichtige Reformen bei der Stadtmission fallen in seine Amtszeit.
Von 1999 bis 2011 war er Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Auch danach blieb er der Gemeindearbeit verbunden und übernahm bis zu seinem Ruhestand 2013 ein Pfarramt in Bertholdsdorf – ein Zeichen seiner Überzeugung, dass der Dienst vor Ort ebenso wertvoll ist wie ein hohes Amt.
Unvergesslich ist für mich, wie er aus seiner Jerusalem-Zeit erzählte, dass sie in einem Luftschutzbunker während eines Raketenbeschusses den 23. Psalm gebetet haben und ganz ruhig geworden sind. Der Psalm schließt mit: "So werde ich bleiben im Hause des Herrn immerdar." Möge dies nun für ihn wahr werden.
Stadtdekan Dr. Jürgen Körnlein